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Methodik raumakustischer
Optimierung
Raumakustische Optimierung fängt schon
an beim architektonischen Entwurf !
Denn auch die Raum-Form bestimmt "die Akustik" bzw. die
grundlegende Eignung für bestimmte Zwecke. Z.B. sind rechteckige
("Schuhkarton"-) Räume als Konzertsäle günstig
(beste Beispiele: Wiener Musikvereinssaal, Laeisz-Halle Hamburg), trapezförmige
(sich nach hinten allzu stark weitende) ungünstig - wegen des
mangelnden Seitenschalls. Ungünstige Raumformen oder "gestalterisch"
bedingte Vorgaben bestimmter Wandmaterialien können akustisch irreparabel
sein (s. "raumakustische Simulation.).
Die Annahme also, der Architekt könne erstmal den Raumentwurf machen,
und die Akustiker könnten es dann durch Wahl geeigneter "Materialien"
(möglichst unauffällig) "schon richten", ist zwar
weit verbreitet, aber in vielen Fällen falsch. Dennoch gibt
es keineswegs zwingende akustische Regeln darüber, wie ein Raum genau
gestaltet sein muss, sondern zahlreiche architektonische Freiheiten -
freilich im Rahmen gewisser Regeln darüber, was günstig und
was ungünstig ist.
Eine dieser Regeln ist ganz einfach: Die Oberflächen des Raumes
sollten möglichst stark untergliedert bzw. gestaltet sein (im Maßstab
typischer Wellenlängen, d.h. weniger Dezimeter). Das fördert
die Ausbildung des gewünschten "diffusen Schallfeldes".
Große, glatte Flächen sind zu vermeiden ! Die barocken Baumeister
hatten dazu zwar noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse im heutigen
Sinn, wussten aber empirisch, was akustisch gut ist.
Gute Beispiele: "Michel" in Hamburg, Balkone Semper-Oper in
Dresden.
Zu den architektonischen "Todsünden" zählen
(bei gewissen eng begrenzten Ausnahmen, s. Veröffentlichungen)
folgende Formen:
- Kreis- oder sogar kuppelförmige Räume (wegen der Brennpunktbildung)
- große, glatte Wände, besonders dann, wenn planparallel
zu einander (wegen Flatterechos).
Negativbeispiel für beide Fehler: Ehemaliger Plenarsaal des Deutschen
Bundestages in Bonn. (s. "raumakustische
Simulation")
Warum haben dann antike Amphitheater die so berühmte "gute
Akustik" ? Nun: bei ihnen sind nur die Zuschauerreihen kreisförmig
angeordnet, reflektierende Rückwände mit kreisförmigen
Grundriss
aber gibt es nicht, günstig bei ihnen ist einfach " wegen der
stark
ansteigenden Reihen " die freie Schallausbreitung über
absorbierendem Publikum. Im Übrigen ist ihre "Akustik"
wegen des
fehlenden Nachhalls auch nur für Sprache, nicht für Musik günstig,
antikes Theater war Sprechtheater.
A) Optimierungsstufe I: Nachhallzeitoptimerung
Voraussetzung für jede weitere Detailarbeit ist eine
Optimierung der Nachhallzeit. Die Nachhallzeit lässt sich (obwohl
das Schallfeld höchst kompiziert ist eigentlich erstaunlicherweise)
in den meisten Fällen (nämlich unter der Idealbedingung des
"diffusen Schallfeldes") ungefähr mit der berühmten
"Sabine´schen" Formel berechnen, die so einfach
und gleichzeitig so wichtig für das Verständnis nötiger
Verbesserungsmaßnahmen ist, dass sie hier angegeben sei: Die Nachhallzeit
T ist proportional dem Raumvolumen V und umgekehrt proportional der äquivalenten
Absorptionsfläche A:
T=0.161* V/A
(V in m³, A in m², T in s)
Jene ist die Summe aus den Produkten Fläche mal Absorptionsgrad
(100m² zu 50% absorbierende Fläche zählen z.B. als 50m²
äquivalente Absorptionsfläche).
Will man z.B. wie bei vielen Sanierungsfällen - die Nachhallzeit
halbieren, muß man also die Absorptionsfläche verdoppeln. Das
kann bedeuten, dass viele hunderte Quadratmeter Raumoberfläche umzugestalten
sind ! Dies ist aus physikalischen Gründen zwingend, also nicht wegzudiskutieren.
Eine weitere praktische Folge aus der einfachen Summation der Absorptionsflächen
in der Sabine´schen Formel ist: Gibt es (nicht-akustische)
Gründe gegen die Verkleidung einer Fläche mit einem Schallabsorber,
muss eine Ersatzfläche gefunden werden.
Für die Nachhallzeiten gibt es , abhängig von der Raumnutzung
(Sprache / Musik) verschiedene Sollwertebereiche (grob: 1 s für Sprache,
2s für Musik, s. "Raumakustik/"Gute
Akustik""). Auch das erzwingt Kompromisse. Eine "optimale
Akustik" für Alles gibt es also nicht. (Insofern ist Vorsicht
vor Ausdrücken wie "Akustikdecke" o.ä. geboten - damit
sind schallabsorbierende Verkleidungen gemeint - ob aber mehr Schallabsorption
überhaupt günstig ist, kann fraglich sein.) Nötig ist eine
Optimierung für alle Frequenzbereiche, denn die Nachhallzeiten müssen
in allen Bereichen bestimmte Sollwerte erreichen, wenn auch die Klangfarbe
des Raumes ausgewogen sein soll. Das Ergebnis wird eine gewisse, optimale
Mischung von Schallabsorbern sein. Die Prozedur zur Optimierung der Nachhallzeiten
für alle Frequenzbereiche ist oft schwierig, ein Näherungsverfahren,
das jedoch mit einiger Erfahrung sicher zum Ziel führt. Die Optimierung
der Nachhallzeit ist nicht alles, aber Voraussetzung für jede weitere
Optimierung.
B) Eine kurze Übersicht über
Schallabsorber
- worauf kommt es an, worauf nicht ?
Schallabsorber, d.h. schallschluckende Flächen, werden
klassifiziert nach dem Frequenz- bzw. Tonhöhen-Bereich, in dem sie
hauptsächlich wirken. Dabei zählt nicht nur die Oberfläche
bzw. das oberflächlich sichtbare Material, sondern der Hintergrund
bzw. der ganze Aufbau, vor allem, inwieweit dieser schwingungsfähig
ist. Hauptsächlich zählt sogar nur die Flächenmasse einer
Verkleidung, das Material, etwa ob Holz oder Gipskarton, ist (entgegen
manchem Vorurteil) fast gleichgültig; umsomehr ist die Tiefe des
Luftpolsters dahinter wichtig. Hohe Frequenzen werden eher von porösen
Stoffen absorbiert. Grundsätzlich sind in der Akustik alle Effekte
frequenz- (d.h. tonhöhen-) abhängig. Das beeinflußt die
Klangfarbe. Praktische Folge: Man kann also nicht einen Absorber
für tiefe Töne (z.B. Holzplattenverkleidungen) durch einen für
hohe (z.B. Vorhänge) ersetzen.
Die wichtigste, da meist über die größte Fläche
ausgedehnte Absorber in einem Auditorium ist das Publikum selbst.
Nach der Sabine´schen Formel sind daher die Nachhallzeiten von Sälen
mit und ohne Publikum oft äußerst unterschiedlich, der erste
Grund, weswegen bei der Optimierung Kompromisse nötig sind (mit/ohne
Publikum).
a) Absorber für tiefe Frequenzen
sind fast immer Resonanzabsorber bzw. Plattenabsorber. Hierbei
schwingt eine Masse vor einem elastischen Material, meist Holz- oder
Gipskartonplatten vor einem Luftpolster (="Feder"). Das
Material ist fast gleichgültig, nur die Masse zählt; je tiefer
der Luftraum dahinter, desto tiefer, ähnlich wie bei Musikinstrumenten,
die Resonanzfrequenz, d.h. der Bereich maximaler Absorption; der Abstand
Plattenverschalung /Hinterwand beträgt meist 10-20cm; ähnlich
wirken (ungewollt) auch die meisten Holzeinbauten wie Bänke, Geländer,
Böden etc. Dies ist bei Umbauvorhaben, etwa in Kirchen, zu beachten,
damit die Nachhallzeit bei tiefen Frequenzen nicht ungewollt steigt !
Zur gezielten Absorption besonders tiefer Frequenzen bei anspruchsvollen
Fällen eignen sich auch Helmholtz- oder Hohlraum-Resonatoren (Prinzip
wie beim Pfeifen auf Flaschenhälsen: Eine Luftmasse im Flaschenhals
schwingt vor einem Luftpolster im Volumen dahinter). Diese können
viele Formen aufweisen, z.B. Röhren, Lochsteine. Nach außen
sind nur Löcher sichtbar; Helmholtz-Resonatoren sind besonders in
Raumkanten sehr wirkungsvoll (zu besichtigen in manchen mittelalterlichen
Kirchen.)
b) Absorber für mittlere Frequenzen
basieren meist auf einer Kombination der Prinzipien von Tiefen- und Höhenabsorbern,
also der Masse-Feder-Resonanz und der Reibung an faserigen Stoffen oder
engen Öffnungen; dazu zählen vor allem Lochplattenabsorber
(LPA); z.B. die von Bürodecken u.ä. bekannten gelochten oder
geschlitzten Platten (meist aus Gipskarton), mit dahinter liegenden Hohlräumen,
mit Mineralwolle gedämpft;
hierbei kommt es zusätzlich auf den Loch- oder Schlitz-flächenanteil
der Oberfläche an. LPA können aus verschiedenen Plattenmaterialien,
in den verschiedenartigsten Farben und Formen hergestellt werden. Viele
Angebote sind auf dem Markt - sogar auch gewölbte Platten etwa zu
Verkleidung von Kirchengewölben (!) Damit sind bei Bedarf auch optisch
sehr unauffällige Wandverkleidungen möglich.
In jüngerer Zeit sind auch fein gelochte mikroperforierte Platten
oder Membranen erhältlich; hierbei ersetzt die Reibung in den extrem
engen (meist Laser-gebohrten) Löchern die Reibung in faserigen Stoffen,
die somit entfallen können; so können für besondere Anwendungsfälle,
etwa bei architektonisch gewünschten Glasfassaden - auch fast lichttransparente
Plattenabsorber hergestellt werden. Diese Lösungen sind allerdings
teuer.
c) Absorber für hohe Frequenzen
basieren meist auf Reibung der schwingenden Luft an faserigen Stoffen;
hierzu zählen
- Teppichboden; diese sind
jedoch (falls nicht sehr dick) nur bei
höheren Frequenzen
wirksam (!);
- Vorhänge, möglichst
schwere, wenig transparente Stoffe mit
gewissem Abstand
vor der Wand, am besten mehrfachgerüscht
(d.h. mehrfache höhere
Stofffläche als verdeckte Wandfläche);
ihr Vorteil: bei Bedarf
(viel Publikum) sind sie leicht wegziehbar -
damit sind variable Nachhallzeiten
erreichbar (!);
- "Akustikputz", d.h.
poröser, schallabsorbierender Putz;
Vorteil:
auch auf gewölbten Flächen einsetzbar, Nachteil: wirkt
nur bei hohen Frequenzen;
- (eher für technische
Umgebungen) Faserstoffe, die meist durch
ein Gitter mit hohem
Lochanteil abgedeckt sind
- Polsterstühle
: je dicker gepolstert, desto wirksamer auch bei
mittleren Frequenzen
, werden oft gezielt als Ersatz für nicht-
vorhandenes Publikum
genutzt; helfen also, wie kein anderer
Absorber , den nachteiligen
Unterschied mit/ohnePublikum zu
nivellieren.
- das Publikum
selbst wirkt, ähnlich wie Vorhänge (da auf der
Kleidung beruhend) bereits
bei mittleren Frequenzen; der
Absorptionsgrad hängt
noch von Dichte und Art der Bestuhlung
u.a. ab.
C) Optimierungsstufe II: early
reflection design und Optimierung weiterer raumakustischer ParameterBei
höheren Anforderungen, insbesondere in großen Auditorien, werden
noch weitere Ziele verfolgt: die Optimierung der räumlich gleichmäßigen
Schall-Verteilung durch Lenkung nützlichen, "frühen"
Schalls, Vermeidung störender Echos, der Balance zwischen unterschiedlichen
Orchestergruppenfindung. Dazu müssen die Raum-Form, die Orte
der Schall-Absorber sowie geometrische, schalllenkende Maßnahmen
(Reflektoren, Diffusoren) betrachtet werden. Hierzu gibt es eine ganze
Menge Erfahrungsregeln, vielfach geometrisch-anschaulich nachvollziehbar.
Dies betrifft die Reflexionen erster Ordnung.
Sollen die raumakustischen Qualitätsparameter im Voraus wirklich
bestimmt werden, bedarf es der Simulation: entweder physikalisch im Modell
1:10-1:20 (mit Ultraschallmesstechnik: genau, sehr aufwändig und
teuer) oder der Computersimulation, die heute in anspruchsvollen Fällen
fast ausschließlich verwendet wird. (Sie ist zwar elegant und flexibel,
aber physikalisch, da die Schallbeugung bis heute nicht ausreichend simuliert
wird, etwas ungenau, die Auralisation hat noch kleine Mängel.)
Hierfür gibt es heute ausgereifte Simulationsprogramme auf Basis
der Strahlverfolgungsmethode (wie z.B. das vom Autor entwickelte Programm
SOPRAN). Freilich ist hierzu die Erfassung der gesamten Raumgeometrie
nötig. Dies erfordert beträchtlich mehr Arbeit als o.g. Standardoptimierung.
Das Ergebnis aber ist äußerst aussagekräftig und nützlich:
Angaben über alle raumakustischen Parameter, z.B. in Form farbiger
Landkarten (s. raumakustische
Simulation)
D) Auralisation
Über die raumakustische Simulation noch hinaus geht
die "Auralisation", d.h. Hörbarmachung der raumakustischen
Eigenschaften von Auditorien.
Damit kann man in erst geplante (auf dem Computer simulierte) Räume
per Kopfhörer "hineinhören", sich Musik- oder Sprachbeispiele
anhören, als ob sie in jenen Räumen erklängen. Das hat
den großen Vorteil, sich "anhörlich" vorstellen zu
können, wie der Raum nach einer Maßnahme letztlich klingen
wird, hilft also Fehleinschätzungen zu vermeiden. Zur Auralisation
werden die vorberechneten Raumimpulsantworten für einen bestimmten
Hörerplatz, jeweils für das linke und rechte Ohr und für
verschiedene Einfallsrichtungen, zunächst verrechnet mit den richtungsabhängigen
"Außenohrübertragungsfunktionen" des Hörers.
(Diese beinhalten die Informationen über das Richtungshören
des Menschen.) Sodann werden diese Impulsantworten für beide Ohren
"gefaltet" mit zuvor echofrei (d.h. in "schalltoten"
Räumen) aufgenommenen Musik- oder Sprachsignalen. Diese erklingen
dann im Kopfhörer so, als ob gespielt bzw. gesprochen in dem geplanten
Raum. Die Auralisation ist heute Stand der Technik (bis auf gewisse Defizite
freilich, die aber oft nur Experten hören.) (s. Veröffentlichungen).
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